„Ein Bild ohne Rahmen ist wie ein See ohne Ufer“ – Henri Matisse
Die Suche nach dem perfekten Rahmen ereignet sich mitunter als schwierige Angelegenheit. Doch warum ist das so und noch wichtiger: war das schon immer so? Bevor wir dieser Frage näher auf den Grund gehen, setzen wir uns vorerst mit der Zielthematik der idealen Rahmenwahl auseinander. Wofür ist ein Rahmen überhaupt gut? Der richtige Rahmen ist mehr als nur eine Einfassung, er verstärkt die Wirkung des Bildes, schützt es und trägt zur Gesamtaussage bei. Wichtig hierbei ist es, die Individualität bei Wahrung eines homogenen Gesamteindrucks zu übermitteln. Die Idee der Harmonie ist also der Schlüssel, auf dem wir unseren heutigen Blogbeitrag aufbauen. Wenn wir im künstlerischen Kontext von Harmonie sprechen, dann ist damit das zentrale künstlerische Gleichgewicht gemeint. Der Rahmen unterliegt einem festgelegten Gesetz: er darf niemals kontraproduktiv sein und gegen das Bild arbeiten. Fasst man diese Aspekte zusammen, kann man auch von einer symbiotischen Beziehung zwischen Bild und Rahmen sprechen.
Die Ausgangsbasis scheint von Beginn an klar festgelegt – jedoch umso kontroverser erscheint die Realität der Umsetzung. Wirft man einen genaueren Blick in die größten Museen und Galerien der Welt, so erkennt man, dass subjektive Vorstellungen und Interessen die Geschichte des Rahmens geprägt haben. Vor allem in der byzantinischen Kunst des Ostens artet die Kombination aus Bild und Rahmen in einen regelrechten Wettkampf aus. Das Besondere an dieser Konstellation ist, dass das der Rahmen in das Bild hinein integriert wurde. Dieses Verfahren bleibt bis in die Gotik erhalten. Während es in der Renaissance darum ging, das Bild durch den Rahmen zu isolieren, und damit in seiner unverwechselbaren Individualität hervorzuheben, ging es im Barock darum, Bilder, Möbel und Rahmen eine einheitliche Stilrichtung zu geben. Im Spätbarock verliert das Bild als Einzelstück immer mehr an Wert und muss sich einem umfassenden Dekorationssystem unterordnen. Insbesondere in königlichen und kaiserlichen Galerien, wie jener des Kaiserhauses in der Stallburg oder der Dresdner Galerie, wurde darauf geachtet, die Rahmen einheitlich zu gestalten und mit Monogrammen (z.B. der Krone des Königs) zu versehen. Es gab auch schon Galeriehängungen, wobei einzigartige Bilder auch verglast wurden. In diese Gläser war ein verschließbares Türchen integriert, das zur Reinigung oder persönlichen Betrachtung geöffnet werden konnte. Wir springen ein paar Epochen weiter, bis wir zur Moderne gelangen. Angetrieben vom Trend zum Purismus entschieden sich federführend italienische Galerien dazu, ihre Bilder ohne Rahmen auszustellen. Umso paradoxer ist dieser Feldzug der Entrahmung, als er in die Zeit zweier bekannter Künstler fällt: Matisse und Picasso, die sich bewusst die schönsten Barock- und Renaissancerahmen aussuchten, um so ihren Werken den letzten Schliff zu verleihen. Auf die Kampagne der Entrahmung folgte bald eine Gegenbewegung, die vor allem vom angloamerikanischen Raum ausging und beteuerte, dass die Rolle der Rahmen in der Moderne missverstanden worden sei. Insbesondere die National Gallery of Art in Washington bemühte sich bei ihren Kunsterwerbungen um die notwendige Authentizität durch die Wahl unterstützender Rahmen.
Skizzen von Rahmendesign unterschiedlicher Epochen:
Nachdem wir uns nun mit einem Teil der diachronen Auffassung von der Suche nach dem perfekten Rahmen beschäftigt haben, möchten wir nun Parallelen zur heutigen Rahmenwelt ziehen. Die verschiedensten Kunstepochen haben natürlich auch das Design von Rahmen weitgehend beeinflusst. Es gibt eine riesige Auswahl an Rahmenformen, Farben, Materialien und Größen. Hinzu kommt die Wahl des passenden Passepartouts. Die richtige Auswahl erfordert Geduld und ein gutes Auge für Details. Wie die Geschichte zeigt, ist es auch mitunter gar nicht so einfach, die Balance zwischen Bild und Rahmen zu finden. Wichtig sind auch die Proportionen und Größenanapassung des Rahmens. Ein zu breiter oder zu schmaler Rahmen kann das Gesamtbild stören. Genauso spielt das Verhältnis zwischen Passepartout und Rahmen eine tragende Rolle. Je nach Art des Bildes gibt es auch weitere technische Anforderungen, z.B. die Wahl des passenden Glases, die berücksichtigt werden müssen. So gibt es Glasarten, die mit einem speziellen UV-Schutz (A70/92) ausgestattet sind. All diese Faktoren zusammen machen die Wahl des richtigen Rahmens zu einer komplexen jedoch auch schönen Aufgabe, die ein gutes Gespür für Stil, Design und Proportionen voraussetzt.
Eine Auswahl unserer Rahmenmuster, inspiriert durch diese Epochen: (1) Renaissance; (2) Barock; (3) Rokoko.
Noch ein wichtiger Punkt zum Schluss: Wenn wir ein Bild für euch rahmen, dann solltet ihr euch mit dem Resultat wohlfühlen. Menschen sind genauso individuell wie ihre Kunstwerke und Rahmen, also lasst euren persönlichen Geschmack (oder auch Einrichtungsstil) bei der Auswahl nicht zu kurz kommen!
Quellen:
Kräftner, Kräftner, Johann, Liechtenstein-Museum, & Kunstmuseum. (2009). Halt und Zierde : das Bild und sein Rahmen ; [diese Publikation erscheint anlässlich der Ausstellung „Halt und Zierde – das Bild und sein Rahmen“ im Liechtenstein-Museum von 15. Mai 2009 bis 12. Jänner 2010]. Brandstätter.
Heydenryk, H. (1963). The art and history of frames.
Mitchell, P., & Roberts, L. (1996). A history of European picture frames. Holberton.








Eine Antwort zu “Eine Einführung in die Rolle des Rahmens in der Kunst”
sehr informativ, spannend geschrieben
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