Wie bereits angekündigt, widmen wir uns heute dem Passepartout. Rahmen, Bild und Passepartout bilden eine symbiotische Einheit. In der Biologie bezeichnet das griechische Ursprungswort „Symbiose (symbíōsis)“ das Zusammenleben von Lebewesen verschiedener Art zu gegenseitigem Nutzen. Ein ähnliches Verhältnis lässt sich auch in der Kunst beobachten. Van Gogh beschrieb das Bild an sich lediglich als „l’objet de première necessité“ und verstärkte diesen Aspekt, indem er vom ungerahmten Bild als „Rohzustand“ sprach.
Inwiefern resultiert aus der adäquaten Umsetzung von Passepartout und Rahmen nun ein Gewinn für das Kunstwerk?

Rahmen wie auch Passepartout sind jene vom Encadreur geschaffenen äußeren Bedingungen, die zum langfristigen Erhalt des Bildes beitragen. Das Passepartout schützt das Kunstwerk nicht nur in chemischer wie auch physikalischer Sicht (z.B. vor direktem Kontakt mit dem Deckglas), sondern gibt ihm auch die nötige Luft, um sich zu entfalten. Aus ästhetischer Sicht wird die Aussagekraft Ihres Bildes durch das Passepartout verstärkt und der Fokus wird auf das Kunstwerk gerichtet.
TIPPS ZUR WAHL DES PASSEPARTOUTS

Ein Grundsatz, der für die Auswahl des Passepartouts gilt, ist folgender: je kleiner ein Bild, umso mehr sollte man versuchen, ihm durch ein Passepartout Bedeutung zu verschaffen. Für die Auswahl des Passepartouts gilt ebenso wie für die Rahmenauswahl das Gleichgewichtsprinzip. In unserem Repertoire führen wir unterschiedliche Farben wie auch Stärken von Passepartouts.
Die Gestaltung des Fensterausschnitts hängt ebenso von dem zu rahmenden Bild ab. In Bezug auf den Passepartoutrand ist festzuhalten, dass die Breite eines Bildes durch eine breitere Gestaltung der Passepartoutränder an den Längsseiten betont werden kann. Bei dem Bestreben, die Länge des Bildes zu betonen, erfolgt das Vorgehen nach einem analogen Schema, wobei jedoch die Ränder der Breitseiten in den Fokus rücken. Bei der Einrahmung von Aquarellen oder Grafiken wird die Verwendung eines Passepartouts empfohlen, welches drei gleich lange Seiten aufweist und an der vierten unteren Seite einen ca. ein Drittel breiteren Rand, um eine optimale Präsentation der Bilder zu gewährleisten.
Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, den Fensterausschnitt des Passepartouts nicht zwingend in der Mitte zu positionieren. Des Weiteren kann die Form des Fensters frei gewählt werden. Eine ungewöhnliche Umsetzung des Fensterschnitts erfordert selbstverständlich auch ein ungewöhnliches Bild. Bei der Wahl des Fensterschnitts sollte die Form, der Stil sowie die Entstehungszeit des Rahmens und des Bildes berücksichtigt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von zwei oder mehr verschiedenfarbigen Passepartouts (z. B. Passepartouts mit innenliegendem zweitem Passepartout), wodurch ein harmonisches Gesamtwerk entstehen kann. Insbesondere Aquarelle oder Grafiken eignen sich hierfür.

Quellen:
Becker-Massart, L. (1992). Bilder richtig rahmen : vom Umgang mit Passepartout, Leisten und Glas. Callwey.
Heydenryk, H. (1963). The art and history of frames.
Havlicek, K. (2014). Bilder richtig rahmen : Schritt für Schritt (1. Aufl.). Dt. Verl.-Anst.
Stichwort „Symbiose“: Kunkel-Razum, Kunkel-Razum, Kathrin, & Bibliographisches Institut Dudenredaktion. (2024). Duden – die deutsche Rechtschreibung : auf der Grundlage der aktuellen amtlichen Rechtschreibregeln (29., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage). Dudenverlag.
Interview mit Philipp Günther, 2024.
Grafiken:
Horstmann Rüdiger.



